Deutsche Halbmarathonmeisterschaften
Guido Hermes Deutscher Vizemeister
Stefanie Wiesmair und Jörn Harland überzeugen

Die Deutschen Halbmarathonmeisterschaften in Herten-Bertlich forderten von den Athleten alles ab. Starke Winde und teilweise durch Frosteinwirkung desolate Straßenzustände waren nicht unbedingt Bestenlisten freundlich. Für die Dauerleister des PSV Grün-Weiß Kassel bildete der Halbmarathon, nach dem tollen Erfolg bei den Landescrossmeisterschaften in Trebur, einen weiteren Höhepunkt.

Bei den Männern rechneten sich die Grünhemden eine realistische Medaillenchance aus. Dieses Ziel musste aber bereits nach sechs Kilometer aufgegeben werden.  Jürgen Austin-Kerl, in Trebur der überragende Läufer, stand zu diesem Zeitpunkt bereits neben der Strecke. Von einem intensiven Infekt mit hohem Fieber aus der Vorwoche offensichtlich noch nicht erholt, musste der Hauptfeldwebel das Rennen aufgeben. Eine durchaus richtige Entscheidung. Während dessen lief es für Jörn Harland angepasst an die äußeren Bedingungen, planmäßig. Der Gelnhäuser musste in einigen Passagen ähnlich wie auch Klaus Brantsch allein gegen den hinderlichen Wind ankämpfen und verlor  dann Zeit und Kraft. Bis 14 Km war auch der extra aus Zagreb angereiste Thomas Weber auf dem Weg zu einer Zeit um 1:10 Stunden. Dann hieß es aber auch für den Vater von Zwillingen nur noch Kampf für eine gute Mannschaftsleistung. An der Spitze hatte Carsten Eich (Düsseldorf) den Deutschen Meistertitel gegen den Kenianer nach 1:04:30 Stunden für sich entschieden. Jörn Harland lief sich zum Schluss nochmals frei und kam in das Bertlicher Stadion als drittbester Hesse auf dem 18. Platz ein. Seine 1:09:10 Stunden bedeuten persönliche Bestzeit. „ Ich bin mit meiner Leistung zufrieden, zu mal ich das Gefühl habe bei besseren Bedingungen zwei Minuten schneller Laufen zu können. Mir tut es um den Jürgen leid. Sein Ausfall hat eine bessere Mannschaftsleistung verhindert, “ äußerte sich ein relativ frischer Harland im Ziel. Der 36jährige Klaus Brantsch kämpfte unterwegs mit Seitenstichen und dem Wind, weil er weite Strecke allein lief. „Mit 1:10:58 Stunden habe ich heute meine zweitbeste Zeit erzielt. Ich wollte eigentlich unter 1:10 Stunden bleiben, aber die Umstände ließen es nicht zu, “ erläuterte er  wie immer bescheiden, mit einem leichten Understatement.

Nach dem Ausfall von Austin-Kerl und dem Verzicht von Alex Merkel und Matthias Jahnke war nun plötzlich Thomas Weber als 42. nach 1:13:51 Stunden, in der Mannschaft, die mit Platz acht, als bestes Hessisches Team in 3:33:59 Stunden ein Minimalziel erreichte.  Jürgen Wagner blieb unter seinen eigenen Erwartung mit 1:16:46 Stunden und dem 70. Platz „Die letzten zwei Nachtdienste haben keine optimale Vorbereitung zugelassen“, zeigte sich der 39jährige Polizeikommissar schon wieder gefasst.

Im zweiten Lauf der Veranstaltung gingen alle Frauen und Altersklassen der Männer an den Start.

Gewarnt durch die Ergebnisse des ersten Laufes liefen die Athleten vorsichtig an. Zur Hälfte der Strecke bildete sich eine zwölfköpfige Kopfgruppe mit dem PSVer Guido Hermes. Der DLV Marathon-Jahresbeste 2004 und 2005 forcierte immer wieder das Tempo, so dass bei Km 16,5 die Spitze sich auf sechs Athleten reduzierte. Überraschend  fiel der 41jähre Roetger bei Km 17 aus der Gruppe ab.  Einen Kilometer später zeigte er enormen Kampfeswillen, als er nach einem Verpflegungspunkt nochmals alles mobilisierte und einen fünfzig Meter Rückstand gegen den Wind aufholte. Zur Überraschung der führenden Läufer übernahm Guido sofort die Spitze. Dem Antritt konnten nur noch Theofels (TV Wallau) und Guckelsberger (LC Mengerskirchen) folgen. Der Mengerskirchner , in Trebur bereits Crossmeister; der die letzten zwei Kilometer im Windschatten blieb, hatte dann auf der Zielgeraden im Stadion leichtes Spiel und setzte sich gegen Hermes, der 1:12:06 Stunden benötigte, durch. „Das war brutal! Ich musste so hart laufen, nur so konnte ich die Verfolger abschütteln. Leider nicht alle. Jetzt werde ich in die nächsten Wochen an meiner Grundschnelligkeit arbeiten und erst im Herbst einen Marathon laufen.“

Mit Dr. Thomas Reidick und Jost Wesemüller erreichte das PSV-Trio in 3:59:23 Stunden als zweitbestes Hessische Team  einen zehnten Platz. Beide klagten in den letzten Tagen über die winterüblichen Erkältungen und trauerten der möglich schnelleren Zeiten nach, die eine bessere Teamplatzierung ermöglicht hätten

Leider platzte nach dem Ausstieg von Uwe Westphal das erfolgsverwöhnte M 50 Team. Nur eine Woche nach seinem Sieg beim Sylterinsellauf über 33 Km stellte sich HR-Mitarbeiter Wilfried Kahl für Team zur Verfügung und überzeugte als 28. in 1:26:10 Stunden wie auch  Martin Simon als 30. mit 1:26:55 Stunden.

Aber wie sagte doch Martin Simon: „ Wer Erfolge feiert muss auch Rückschläge einstecken können!“ Dem ist nicht s hinzuzufügen!  „ Kopf hoch, Männer!“ Kann man kann man denen nur zu rufen, die nicht zufrieden waren.

Dies trifft auf keinen Fall für Stefanie Wiesmair zu. Die 26jährige Thüringerin stellte sich erstmals der nationalen Straßenlaufspitze. In Begleitung ihrer Mutter stellte sich Stefanie der Herausforderung. Selbst in einigen windigen Passagen versteckte sie sich nicht. „Mir fiel es schon etwas schwer. Ich glaube ich bin auch von dem Trainingslager und nach dem letzten Training noch nicht richtig erholt, “ wird sie später zitiert. Die Dipl. Kauffrau, der ein Interesse am Polizeiberuf  nachgesagt wird, hielt das einmal eingeschlagenes Tempo durch. Im Ziel von ihrer Mutter begrüßt,   muss  der 10. Platz in 1:25:26 Stunden als ein gelungener Einstand bewertet werden. Spannung gab es auch an der Spitze, als Lumnita Zaituc(LG Braunschweig) auf der Zielgeraden von der Kenianerin Viola Bor, die auch beim Kasseler Citylauf bereits startete, überspurtet wurde. Aufgrund einer Regeländerung wurde Bor zu nächst als Deutsche Meisterin ausgerufen, am nächsten Tag jedoch disqualifiziert, da sie in diesem Jahr bei der nationalen kenianischen  Meisterschaft im Cross an den Start ging.

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