Robel Mesgena in Ulm Fünfter

Deutsche Jugend Meisterschaften

 

Nach längerer verletzungsbedingter Abwesenheit von der Wettkampfszene gelang Robel Mesgena im letzten Moment mit seinem Mendener 5000 m Laufergebnis noch die Qualifikation für die Deutschen Jugendleichtathletikmeisterschaften in Ulm.

Um es vorwegzunehmen: Der Favorit Tom Gröschel (1. LAV Rostock)
siegte überlegen in  14:39,32 min.

Der Presse diktierte er in den Stenoblock:
"Die Taktik war gewesen, vorne mitzulaufen und je nach Tempo 600 oder 1200 Meter vor dem Ziel den langen Spurt anzuziehen. Knapp drei Runden vor dem Ziel habe ich mich so gut gefühlt, dass ich weggezogen bin. Dass dann sogar eine Saisonbestzeit herauskommt - super. Aber das ist mir im vergangenen Jahr bei den Deutschen Junioren-Meisterschaften auch schon gelungen. Leider hatte es wegen einer Verletzung nicht mit der WM geklappt, sodass ich vor diesen Meisterschaften im Trainingslager in St. Moritz war. Den Bergen habe ich den Endspurt zu verdanken."

Und Robel, der nun im Wettkampf seinen Standort suchte, ließ sich von der starken  Konkurrenz nicht nervös machen. Er hielt sich lange in einer achtköpfigen Spitzengruppe. Die ersten Kilometer  lief man geordnet in 3:02 – 2:56 – 2:58 Minuten  an. Passierte die 3000 m nach 8:56 Minuten. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Führungsgruppe noch aus sechs Läufern und dabei auch Robel.

Kurze Zeit später zog  Gröschel das Tempo höher.  Robel lag an sechster Position und der vor ihm laufende Karsten Meier ließ nach vorn ein Loch entstehen, ohne dass Robel sofort reagierte. Damit riss die Verbindung nach vorn und eine bessere Zeit und Platzierung waren dahin.

Mit den zwei weiteren 1000 m Abschnitte von 3:12 und 2:57 rettete er dann einen ausgezeichneten fünften Platz.  Mit 15:07,94 Minuten lief er seine bisher zweitschnellste Zeit und setzte sich hinter Julian Flügel auf Platz zwei der aktuellen PSV-Jahresbestenliste. .

5000m, männliche Jugend A - Finale
Datum: 06.08.2010  Beginn: 20:10

Finale

 

Rk.

StNr.

Name

Jg.

Nat.

Verein

Leistung

 

1.

658

Gröschel Tom

1991

MV

1.LAV Rostock

14:39.32

1./I

2.

1540

Graw Torsten

1991

WE

TV Wattenscheid 01

14:45.53

2./I

3.

1588

Sperlich Martin

1991

VfB LC Friedrichshafen

14:46.83

3./I

4.

128

Hendtke Stefan

1991

BB

SC Potsdam

14:48.44

4./I

5.

567

Mesgena Robel

1992

HE

PSV Grün-Weiß Kassel

15:07.94

5./I

6.

1211

Huckert Thomas

1991

SL

LG Saar 70

15:08.50

6./I

7.

1156

Meier Karsten

1991

SH

SG TSV Kronshagen/Kieler TB

15:12.04

7./I

8.

1449

Dillenhöfer Fabian

1992

WE

TSV Kirchlinde

15:20.18

8./I

9.

1382

Hollop Dominik

1991

WE

LG Olympia Dortmund

15:20.48

9./I

10.

1195

Stief Philipp

1991

SL

TV Lebach

15:24.65

10./I

11.

1715

Haumann Eike

1991

LAV ASICS Tübingen

15:42.07

11./I

12.

433

Alraun Fabian

1991

BY

Post-Telekom-SV Rosenheim

15:44.07

12./I

13.

744

Thielen Nils

1991

NI

Eintracht Hildesheim

15:56.73

13./I

14.

771

Hüpel Marius

1991

NI

OTB Osnabrück

16:08.83

14./I

15.

1482

Knode Felix

1992

WE

Marathon-Club Menden

16:42.50

15./I

 

In HNA.de gefunden:

Robel Mesgena – Laufen in ein neues Leben

 

Als Kind hat er seine Heimat verlassen. „Ich kann mich gar nicht mehr genau erinnern", sagt Robel Mesgena. Damals war er zwölf Jahre alt, und sein Geburtsland Eritrea hatte sich noch nicht von den Folgen des jüngsten Krieges mit dem Nachbarstaat Äthiopien erholt. In den Kriegswirren von 1998 bis 2000 verlor Robel seine Eltern aus den Augen.

Will gern für Deutschland laufen: Robel Mesgena ist deutscher Vizemeister über 3000 Meter. Er lebt seit sechs Jahren in Kassel, macht noch bis 2011 eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und wartet auf einen deutschen Pass. Foto: Polk

Ein Bekannter seines Vaters verließ 2004 das Land, er nahm den Jungen mit. Über den Sudan kam Robel nach Frankfurt am Main. Während der drei Monate dort lernte er in Grundzügen die deutsche Sprache. Dann kam er nach Kassel, wo er in einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, so die offizielle Bezeichnung, Aufnahme fand. Träger der Einrichtung ist die Hephata Diakonie.

Schweren Anfang gemeistert

Der Anfang war schwer", erinnert sich der junge Mann. Nach kurzer Zeit wurde er in die Carl-Schomburg-Schule aufgenommen. „Ich verstand kaum ein Wort von dem, was die anderen redeten", sagt er. Er fand schnell Freunde, das half auch, Sprachbarrieren zu überwinden. Wie viele Jungen in seinem Alter begann er, Fußball zu spielen. Er konnte schneller rennen als seine Mitspieler: „Die anderen waren irgendwann fertig, aber ich bin nie so richtig müde geworden", sagt er.

Um für Deutschland zu starten, brauche ich einen deutschen Pass."

Robel Mesgena

Während der Bundesjugendspiele 2006 kam das läuferische Talent des damals 14-Jährigen richtig zur Entfaltung. Sein Sportlehrer erkannte die Möglichkeiten: „Du trainierst, glaube ich, für die falsche Sportart."

 

Zahlreiche sportliche Erfolge

Er vermittelte ein Leichtathletik-Training. Robel nahm an Wettkämpfen teil. Und wurde 2008 Hessenmeister über 3000, 5000 und 10 000 Meter. Nach einigen Wechseln trainiert er jetzt für den Polizeisportverein Grün-Weiß in Kassel. Das Training ließ ihm noch genug Freiraum, seinen Schulabschluss zu machen. Nach der mittleren Reife begann Robel Mesgena 2008 eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im Laufladen. Seine sportlichen Erfolge krönte er 2009: Über 3000 Meter auf der Bahn und 3200 Meter querfeldein (cross) wurde er bei den Jugendmeisterschaften deutscher Vizemeister.

Robel Mesgena hätte gern an der Leichtathletik-Weltmeisterschaft der unter 18-Jährigen teilgenommen. Doch das blieb ihm verwehrt: „Um für Deutschland zu starten, brauche ich einen deutschen Pass", sagt er.

Zukunftspläne

Den hat der mittlerweile 18-Jährige vor Monaten beantragt und wartet auf einen Bescheid. Seine berufliche Zukunft sieht der sympathische junge Mann im sportlichen Bereich: „Ich möchte gern in den USA studieren, vielleicht Sportwissenschaften", sagt er. Robel Mesgena strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus. Wenn er von seinen Zukunftsplänen redet, geht ein Lachen über sein Gesicht: „Vielleicht gelingt es mir, ein Stipendium zu bekommen", sagt er.

Bis dahin hat er noch einiges zu tun. Er muss sich eine bezahlbare Wohnung suchen, weil er als 18-Jähriger nicht länger in der Wohngruppe bleiben kann. Wenn er seinen deutschen Pass bekommt, hat er als Erstes eine Reise vor: „Ich möchte nach Eritrea und schauen, was aus meiner Familie geworden ist." Denn von seiner Familie hat Robel seit sechs Jahren nichts gehört.

Von Ilona Polk

 

 

 

 
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