Siege für Silke Optekamp, Markus Jahn, Robel Mesgena und Hendrik Franke
Die Hessischen
Meisterschaften am Wochenende im Auestadion im Vorfeld der Deutschen
Meisterschaften (23.-24.7.) galten schon als Generalprobe. Ums vorweg zu
nehmen: Es liegt noch eine Menge Arbeit vor den Organisatoren soll die
DM als Top-Event in die Sportgeschichte der Stadt Kassel eingehen.
Vor fast leeren Zuschauerrängen war aus Sicht des PSV ein Höhepunkt
des ersten Tages das
1500 m Rennen der Frauen. Nachdem die Top-Favoritin Simret Restle
kurzfristig absagte, war der Ausgang total offen. Spannender konnte
eigentlich ein Lauf nicht sein. In einem von der Taktik geprägten Lauf
überraschte Silke Optekamp, als sie auf den letzten 500 m nach 3:06
Minuten als Durchgangszeit nach 1000 Meter aus der Position drei heraus,
den Versuch startete ca. 30 m Rückstand wettzumachen. Tatsächlich
passierte sie die tapfer kämpfende Dörte Nadler ca. 250 m vor dem
Ziel. Silke geizte mit der Zeit und gewann noch deutlich mit 4:36,83
Minuten. Sie gewann damit nicht nur den Titel sondern stellte auch eine
persönliche Bestzeit auf der ungewohnt kurzen Distanz auf. Der zweite
Platz von Dörte war aber nicht mehr gefährdet. Auf der Zielgeraden
fing Ellen Weber, die lange führende Äthiopierin Fraol Bezabeh (LG
Eintracht Frankfurt) nach 4:45,81 Minuten noch ab.
Hinter der
Obervorschützerin Vera Siebert-Kilian vervollständigte auf Platz acht
die Juniorin Amelie Zimmermann in persönlicher Bestzeit von 5:11,65
Minuten die grün-weiße Frauenpower.

Für Silke Optekamp ist es nach der Marathon-Meisterschaft (Frankfurt-Marathon) der zweite Landesmeistertitel. Die Norm und damit die Teilnahme im Auestadion bei den Deutsachen Leichtathletik-Meisterschaften hat die Mönchengladbacherin bereits über 5000 m erreicht. "Ich freue mich schon ganz toll auf meinen Auftritt. Ich fühle mich in Kassel einfach wohl", gab sie eine Liebeserklärung für die Kasseler Fans ab. Ellen Weber und auch Dörte Nadler blieben deutlich über ihren Bestmarken. War es bei Dörte ein krankheitbedingter Trainingsausfall, sind es bei Ellen Weber überzogene andere Aktivitäten. So passt einfach eine Triathlonsaison nicht zu einer optimalen Leistungsentwicklung während einer Wettkampfphase.
Der zweite Tag wurde für die PSV-Athleten sehr erfolgreich. Mit drei weiteren Titeln unterstrich der PSV seine herausragende Stellung im Mittel- und Langstreckenbereich in Hessen. Endlich platzte bei Hendrik Franke der Knoten. Am ersten Tag lief er nach einigen taktischen Fehlern über 1500 m hinter dem Hanauer Anusan Rajeentan als Vierter knapp an der Bestzeit in 4:24,41 Minuten vorbei. 24 Stunden später, über 3000 m hielt er sich voll an die vorgegebene Taktik. Im Schlepp seiner beiden größten Konkurrenten, dem Odenwälder Joshua Weiß und dem Frankfurter Jakob Stenzel ergriff er auf den letzten 450 m die entscheidende Initiative. Überfallartig nahm der die Spitze, dem konnten seine Konkurrenten nichts mehr entgegensetzten. Mit sechs beziehungsweise 12 Sekunden Vorsprung distanzierte er sie deutlich. Die letzten 1000 m in 3:03 min zurücklegend, durchriss der 16-jährige Schüler nach 9:22,56 Minuten das Zielband. "Heute lief es so, wie ich mir es schon lange vorgestellt habe. Mir ist richtig ein "Stein vom Herzen" gefallen", freute sich der Fuldabrücker.

Nicht so glücklich war
Maximilian Noe. Der Naumburger lief als Sechster über 800 m nach
2:08,79 Minuten knapp an seiner Bestmarke vorbei. "Nach 62
Sekunden, nach der ersten Runde hatte ich mehr erwartet, aber ich konnte
einfach nichts zusetzen", zeigte sich "Maxi" enttäuscht.
Eine ärztliche Untersuchung soll jetzt abklären, ob nicht ein Infekt
für dieses körperliche Befinden ursächlich sein kann.
Auch Ellen Weber stellte sich einen Tag nach ihrem dritten Platz über
1.500 m wieder dem Starter. Diesmal über 800 m ging es gleich zur
Sache. Die Polizeioberkommissarin klemmte sich an die Topfavoritin Lisa
Hübner und passierte die 400 m Marke nach 64,5 Sekunden.

Wiebke Herbold, zu diesem Zeitpunkt an vierter Stelle liegend, beschloss etwa nach 68 Sekunden die erste Runde. Bei 600 m ging Ellen noch mit 1:39 Minuten durch, Wiebke mittlerweile auf Platz drei mit ca. vier Sekunden dahinter. Die Zielgerade war dann für beide ein einziger Kampf. Während Hübner nach 2:11,05 Minuten die Hessenmeisterschaft errang, kämpften die PSV-Girls um eine entsprechende Zeit. Wiebke kam noch bis auf 1 ½ Sekunden an Ellen heran. 2:16,81 und 2:18,29 Minuten und damit Jahresbestzeiten betrugen die Endzeiten der beiden Medaillengewinnerinnen. "Ich bin so glücklich, endlich ist bei mir der Knoten geplatzt. Jetzt kann ich frei für den Rest der Saison angreifen", so die 22-jährige Student Wiebke.

Bei Ellen klang es etwas anders: "Mit meinen beiden Medaillen bin ich sehr zufrieden. Nach meinem vierten Platz vom JP Morgan Lauf in Frankfurt vor drei Tagen hatte ich leider nicht mehr die Spritzigkeit!"

Ein weiteres
Highlight aus Sicht des PSV waren die 5000 m. In einem spannenden
Verlauf, in dem zu nächst Thomas Schönemann das Tempo bestimmte, kam
es auf den letzten 500 m zum Dreikampf zwischen dem Wiesbadener Jannik
Ernst und den beiden PSVern Markus Jahn und Robel Mesgena. Sehr schnell
lief sich der Jugendliche Robel einen Vorsprung heraus, doch auf der
Zielgeraden konnte Markus Jahn mit einem tollen Endspurt zu Robel
aufschließen, ohne an ihm vorbeizukommen. Für beide zeigten die Uhren
15:13,0 Minuten mit leichten Vorteilen für Robel. Aber dies war nicht
entscheidend, denn es gab zwei Titel: Robel sicherte sich deutlich die
Jugendmeisterschaft, während Markus gegenüber dem Wiesbadener Jannik
Ernst deutlich in Front lag. Pech hatte Laszlo Kroll, der nach der
Hälfte des Rennens die Segel streichen lassen musste. Seine Muskulatur
streikte, eine Folge des zwei Tage (!) zuvor bestrittenen Spendenlaufes
seiner Schule.
Bei den Frauen, die gemeinsam mit den Männern starteten, führte
zunächst Katrin Arndt die Führungsgruppe nach 3:30 - 7:05 Minuten
über den zweiten Kilometer. Es kam Bewegung in das Geschehen, als
ausgerechnet Thomas Thyssen die Frauen überrundete und die Gruppe
sprengte. Die spätere Siegerin Fraol Bezabeh (LG Frankfurt) und
Veronika Ulrich (Neu-Isenburg/Heusenstamm) hefteten sich an seine
Fersen. Katrin verlor den Anschluss ohne langsamer zu werden. Dennoch
lief sie bis auf eine Sekunde (!) noch auf Ulrich auf. Ihre 1.000m-Abschnitte
3:30 -3:35 - 3:35 - 3:32 - 3:28 Minuten führten zu persönlichen
Bestzeit von 17:42 Minuten. Pech für die 5000 m Läufer, dass
ausgerechnet bei 3 km ein Helfer den Stecker zur elektronischen
Zeitmessung herauszog und die nun handgestoppten Zeiten nicht mehr
bestenlistenreif sind. Dies passte sich in das Gesamtbild ein.
Noch etwas Statistik:
Die Leichtathletik ist in Hessen durchaus breit aufgestellt.
Immerhin erscheinen die Namen von 72 (!) Vereinen im Medaillenspiegel
(Platz 1 - 3). Ihre Vormachstellung hat erwartungsgemäß die LG
Eintracht Frankfurt behauptet. Mit 18 Titeln sind sie die Nummer eins in
Hessen. Erfreulich, dass die Athleten des PSV Grün-Weiß Kassel bereits
hinter dem Wiesbadener LV (6 Titel) mit vier Titeln auf Platz drei
erscheinen. Nachfolgend die Rankingliste (Platz 1 - 3 = Punkte 3 - 2 -
1):
1. LG Frankfurt 81 Punkte ( 18 - 8 - 11 ) 2. Wiesbadener LV 28 ( 6 - 24 - 2 ) 3. PSV Grün-Weiß Kassel 21 ( 4 - 3 - 3 ) 4. LG Bad Soden/Neuenhain 13 ( 3 - 2 - 1 ) 5. LG Neu-Isenburg/Heusenstamm 13 ( 3 - 1 - 2 ) 6. LSG Goldener Grund 11 ( 2 - 2 - 1 ) 7. TSV Frankenberg 10 ( 2 - 1 - 2 ) 8. LAV Kassel 10 ( 1 - 2 - 3 ) 9. LAZ Gießen 9 ( 2 - 1 - 1 ) 10. LG Fulda 9 ( 2 - 1 - 1 )
(wa)
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