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Tilo Ruch: Der Neue beim PSV hat große Ziele

Es sind beim PSV Grün-Weiß Kassel ja meist die Langstreckler oder die Läuferinnen und Läufer auf den längeren Mittelstrecken gewesen, die die zahlreichen Erfolge einfuhren. 

Auf der 400 Meter-Strecke war der „rasende Reporter“ Uwe Becker die Ausnahme. Jetzt haben die Grün-Weißen wieder einen Runden-Mann, der noch eine Menge vor hat.

Seit Beginn des Jahres startet Tilo Ruch dank Unterstützung von Förderern für den PSV. Der 25-Jährige Neubrandenburger ist der Top-Athlet der Kasseler und hat sich vor allem durch seine gute Beziehung zu Winfried Aufenanger für den Wechsel von der LG Eintracht Frankfurt zum PSV entschieden.  

Tilo Ruch im Trainingslager

Obwohl Ruch nur um elf Hundertstel die Olympiateilnahme verpasste, sich um eine Sekunde steigerte und mit seiner im letzen Sommer gelaufenen Zeit von 46,09 Sekunden auf Platz fünf der deutschen Bestenliste steht, waren für ihn die Perspektiven in Frankfurt nicht mehr da. 

„Winfried Aufenanger hatte sich schon letztes Jahr sehr um mich bemüht, nach der Entwicklung der letzten Monate war es für mich dann klar, dass ich wechsle“, erklärt Tilo Ruch. Zurzeit ist er wegen eines Muskelfassrisses im linken Beuger außer Gefecht, die Hoffnung, bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig am 21./22. Februar an den Start gehen zu können, hat er aber noch nicht aufgegeben. „Wenn mein Arzt mir grünes Licht gibt, bin ich dabei“, so Ruch. 

Für einen Start bei der Hallen-Europameisterschaft in Turin wird es dann wahrscheinlich aufgrund des Trainingsrückstands nicht reichen, doch die Ziele für den angehenden Polizeikommissar – im Dezember sind die Prüfungen – sind klar gesteckt. Zum einen sind da die 45,99 Sekunden die er sich stets vor Augen führt. Die magische Marke will er unbedingt schnell knacken und ist sicher, dass er die Zeit drauf hat. „Wenn mir früher jemand erzählt hätte, ich würde 46,09 laufen, ich hätte ihn für verrückt erklärt“, sagt er. 

Die Weltmeisterschaft in Berlin in diesem Jahr stehen fest in seinem Terminkalender, dafür muss Tilo Ruch aber dann noch einmal zulegen: Die Norm liegt bei 45,55 Sekunden. Allerdings hat er auch die Staffel im Blick.

Weitere Ziele: die Deutsche Meisterschaft 2010 im Kasseler Auestadion und die Olympischen Spiele 2012 in London. „Natürlich möchte ich mich im nächsten Jahr vor heimischem Publikum entsprechend präsentieren und mich den Fans in Nordhessen von meiner besten Seite zeigen“, erzählt DLV-B-Kader-Mitglied Ruch. „Und 2012 bin ich 29, bestes Alter für einen 400 Meter-Läufer.“

Angefangen hat Tilo Ruch mit vier Jahren als Schwimmer und war bis zum elften Lebensjahr auch auf Landesebene erfolgreich, ehe ihn der bekannte Sprungtrainer Heinz Schütze ansprach. Tilo wechselte zur Leichtathletik, lief zunächst 1000 Meter und 800 Meter (auf dieser Strecke wurde er 2000 Deutscher Meister). 2002 verpasste er aus Verletzungsgründen nur knapp die Qualifikation für die 4 x400 m-Staffel für die U 20-WM  auf Jamaika, bevor ihn 400 Meter-Bundestrainer Volker Beck ganz für diese Distanz gewann. Gemeinsam mit seinem besten Freund Hannes Colberg wechselte Ruch nach Frankfurt, leistete Zivildienst und studierte zunächst Lehramt, bevor er im September 2005 zur Polizei ging. Dort bietet ihm die Sportfördergruppe beste Möglichkeiten, das Training macht er allerdings überwiegend allein. 

Inzwischen trainiert er bei Joachim Schulz, der in den Niederlanden als Bundestrainer für die Zehnkämpfer und Siebenkämpferinnen verantwortlich ist, nachdem Ruch 2006 wie auch andere Mitglieder der damaligen Trainingsgruppe (zum Beispiel 400 m Hürden-Läufer Thomas Goller) seinen Trainer Volker Beck aufgrund menschlicher Differenzen verließ.

Zur jetzigen Trainingsgruppe von Joachim Schulz zählen auch noch Top-Weitspringer Sebastian Bayer, 2,27 m-Hochspringer Tim Riedl, 400 m-Läufer Alexander Meisolle und 400 m- Olympiateilnehmerin Sorina Nwachukwu. Mehrmals geht es für ein paar Tage nach Holland, um dort mit den niederländischen Kollegen gemeinsam zu trainieren. „Das sind gute Voraussetzungen für mich“, erklärt Tilo Ruch.

Die Entscheidung, sich dem PSV Grün-Weiß Kassel anzuschließen, traf er auch, weil sich hier einiges im Aufbau befindet und mit der erfolgreichen Trainingsgruppe von Jürgen Stephan weitere junge Läuferinnen und Läufer nach oben streben. „Wir haben jetzt endlich wieder einige Athleten topplatziert in den Bestenlisten und mit Tilo Ruch einen deutschen Spitzenmann“, freut sich Trainer Winfried Aufenanger, der gerade aus dem Trainingslager in Portugal zurück gekehrt ist, wo er mit knapp 40 Läuferinnen und Läufern war, darunter auch das neue „Juwel“ Robel Mesgena.

Tilo Ruch Kennen gelernt hat Tilo Ruch einen Teil seiner neuen Vereinskameraden bei den Hessischen Hallenmeisterschaften in Stadtallendorf. Dort war er gut unterwegs, setzte im Vorlauf über 60 Meter mit 7,09 Sekunden eine erste Duftmarke im PSV-Trikot, bevor ihm dann über 200 Meter der Muskelfaserriss einen Strich durch die weiteren Planungen machte.

Doch längst ist er wieder guter Dinge und hofft noch, dass er in Leipzig starten kann. Text: Michael Küppers

 

 
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