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PSV-Läufer Jörn Harland, zuletzt Sieger der Brüder-Grimm-Laufes und Deutscher Halbmarathon-Meister mit dem PSV, ist für mehrere Wochen in Chile und berichtet in Etappen von seiner Reise.

Teil 1

Nach bisher vier Tagen Dauerprogramm wollte ich mich nun doch mal in der Heimat melden. Gar nicht so einfach, mit einer spanischen Tastatur zu schreiben, wo z und y vertauscht sind und die Umlaute nicht existieren.... Außerdem war ich am heutigen Tage mit Briten unterwegs, sodass es mir gerade etwas schwer fällt auf deutsch zu formulieren. Aber der Reihe nach....

In der Tat trifft man an recht häufig andere Backpacker, sicherlich liegt es auch an der Aufgeschlossenheit des Einzelnen. Aber über mangelnde Reisebegleitungen kann ich mich bisher nicht beklagen.

Nach einem mir ewig lang erscheinenden Flug bin ich am Freitag morgen in Santiago de Chile gelandet. In Erwartung auf halbwegs annehmbare Temperaturen wurde ich eines Besseren belehrt. Dauerregen und doch kühle Temperaturen um die 10 Grad Celsius sollten die nächsten beiden Tagen vorherrschen. Aber einem echten Backpacker macht das ja bekanntlich wenig aus.

Santiago ist eine Stadt, die polarisiert. Zum einen sind supermoderne Hochhäuser neben relativ altertümlichen Gebäuden zu entdecken, zum anderen kaufen Geschäftsleute mit Anzug gekleidet in den herunter gekommensten Läden ein. Santiago ist eine 6 Millionen-Metropole und auch seiner Größe entsprechend weitläufig. In Santiago gibt es auch den Hausberg, den Cerro Cristobal, zu besichtigen. Von dort oben hat man – sofern es nicht regnet - einen tollen Überblick. Für mich als alter Kletterfreund stand eine Besteigung natürlich auf dem Programm. Oben auf dem Hügel habe ich gleich einen aus Kassel stammenden Deutschen getroffen, wie klein doch die Welt ist. Mit Thomas, so sein Name, habe ich dann auch den restlichen Tag verbracht.

Am Tag drauf habe ich dann auch das Nachtleben von Chile ausgiebig getestet. Nachdem noch einige Deutsche, die in Santiago ihr praktisches Jahr im Rahmen des Studiums absolvieren, vorbeikamen, konnte die Party beginnen. Das Hostel, inmitten der Partymeile gelegen, ließ mit Lokalitäten nicht lange auf sich warten. Blöd nur, dass der Jörn für den nächsten Tag um 7.40 Uhr eine Busfahrt in Richtung Norden gebucht hatte.

Aber wie heißt es so schön, wer feiern kann, kann auch aufstehen. Das musste ich dann wohl oder übel auch tun.  

Die letzten beiden Tage waren dann wieder etwas ruhiger. Im nördlich von Santiago gelegenen La Serena habe ich am heutigen Tage mit den bereits erwähnten Briten einen Ausflug in die Bergwelt unternommen, jetzt wird noch lecker gekocht, ehe es dann morgen wieder heißt weiter gen Norden in Richtung Atacama-Wueste zu ziehen.

 

Teil 2

 

Die letzten vier Tage meiner Reise habe ich überwiegend mit den bereits erwähnten Briten verbracht. In der Zwischenzeit bin ich hier in der Atacama-Wueste im Norden Chiles gelandet. wir sind hier sozusagen in „the middle of nowhere“. Der Ort San Pedro de Atacama liegt wie eine Oase in der Wüste. Die Atacamawüste ist laut den Angaben meines Reiseführers und den Infos, die man hier vor Ort liest, der trockenste Punkt der Erde. Es hat angeblich die letzten Jahrzehnte keinen Tropfen geregnet. Kaum vorstellbar für das teilweise verregnete Deutschland.

Doch der Reihe nach. Hier ist trotz Trockenheit einiges zu sehen: so habe ich unter anderem Geysire in der Andenlandschaft sehen können, ein beeindruckendes Spektakel, oder war auch schon auf deutlich über 4.000 m Höhe. Das ist dann doch deutlich zu merken, da ja Sauerstoffknappheit. Allerdings waren die vorgenannten Erlebnisse organisierte Touren und keine Wanderungen auf eigene Faust.

Wanderungen auf eigene Faust sind hier nur bedingt möglich. Zum einen liegt das daran, dass die Landschaft aufgrund der hohen Berge nicht so einfach zugänglich ist wie die Alpen; zum anderen ist zum Wandern auf 3000 m und höher nicht wirklich die richtige Jahreszeit hier. Momentan ist es auf der Südhalbkugel eben Winter.

Die Reise geht jetzt in Richtung peruanische Grenze weiter, ggf. mit einem Übertritt in das Nachbarland.

 

Teil 3

 

Mittlerweile habe ich die Atacamawüste hinter mir gelassen und bin im Norden Chiles gelandet. In Arica, der Grenzstadt zu Peru, habe ich zwei Tage übernachtet. Gestern habe ich den Grenzübertritt gewagt. Allein die Busfahrt mit den Kontrollen ist sehr unterhaltsam. So wird man auf der Hin-und Rückfahrt (war nur einen Nachmittag da) jeweils an beiden

Grenzposten kontrolliert und erhält demnach vier Stempel in den Pass. Das Beste kam zum Schluss, als der Busbegleiter, der für die Zollabwicklung zuständig ist, plötzlich einige Sachen wie CDs, Zeitschriften, Obst, usw. an die Businsassen verteilte. Obst z.B. darf man auf keinen Fall nach Chile einführen, so wird also versucht zu schmuggeln. Und die Verstecke des Busbegleiters waren wirklich originell.

Nun denn, heute morgen bin ich dann auf der Altiplano-Höhe angelangt. Der Altiplano ist eine Hochebene von ca. 3.500 -4.000 m über N.N. im Länderdreieck Peru, Bolivien und Chile mit Bergen bis zu 7.500 m.

Meine Unterkunft liegt auf 3.500 m und ist natürlich am A. der Welt. Allerdings wird das Hostel von einem Deutschen und einer Chilenin betrieben. Es ist alles vom Feinsten. Endlich mal ein warmes Zimmer, da die Chilenen oder besser gesagt die Südamerikaner es in der Regel nicht gewohnt sind, im Winter zu heizen, auch wenn draußen  Minustemperaturen herrschen. Zumindest gibt es keine Zentralheizungen wie bei uns.

 

Nach einem tollem Empfang bin ich dann heute endlich zum Trekken, Hiken oder Wandern, wie auch immer, gekommen. Von der Unterkunft auf 3.500 m konnte ich ca. auf 5.100 m vordringen. War ein echtes Erlebnis, da zum einen natürlich ordentlich kalt und zum anderen keinerlei Markierungen oder Beschilderungen vorhanden sind, wirklich abenteuerlich. Auf dem Rückweg habe ich mir dann ein paar Schrammen geholt, da der Rückweg nicht so wie ich wollte :-)

Hier oben bei Georg - wie der Herbergsvater heißt - werde ich wohl ein paar Tage bleiben, ehe es dann heißt mit großen Schritten Richtung Santiago zu machen, da heute in einer Woche mein Rückflug wartet.

 

 

 
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